Erkenntnisse zur Planung und Durchführung von Antirassismusprojekten

Nachfolgenden Text kann man auch als  Word Dokument downloaden.

 

Erkenntnisse zur Planung und Durchführung von Antirassismusprojekten:

Es zeigt sich immer wieder, dass Projekte zum Thema Rassismus heikler sind als Aktivitäten zu andern Themen. Gleichzeitig haben wir die Erfahrung gemacht, dass Projekte häufig auch an Fehlern scheitern, die nichts mit der Thematik zu tun haben wie: Unterschätzung des Aufwands, Kündigung des Jugendarbeiters, Planung ohne die Jugendlichen und ihre Interessen einzubeziehen usw. Dies hat oft damit zu tun, dass auch die Erwachsenen Beteiligten zum ersten Mal ein grösseres Projekt organisieren. Deshalb kann die kontinuierliche Projektbegleitung durch INFOKLICK.CH für alle Projekte sehr nützlich sein, da so auf der Erfahrung Anderer aufgebaut werden kann.
Unsere wichtigsten Erkenntnisse, zur Durchführung von Projekten:

1. Partizipation
Jugendliche müssen Jugendprojekte von Anfang an mitprägen können. So wird gewährleistet, dass mehrheitlich Angebote entstehen, die dann die Zielgruppe auch ansprechen.
Wir sind in der Regel wie folgt vorgegangen:

a) Situationsanalyse: Bei Anfrage einer Gemeinde kommt es zu einer ersten Sitzung, in der die Anwesenden das Problem und ihre Vorstellung was zu tun ist schildern. Hier sind in der Regel nur Erwachsene dabei wie: Jugendarbeitende, Mitglieder der Jugendkommission, Pfarrer, LehrerInnen, Elternvertreter.

b) Infoveranstaltung für die Jugendlichen: In diesem Rahmen werden die Jugendlichen breit eingeladen, die sich in der Gemeinde für dieses Thema einsetzen wollen. Am Interesse und Bereitschaft zur Mitarbeit der Jugendlichen zeigt sich, ob auch die Jugendlichen Handlungsbedarf sehen und für ein Projekt zu haben sind. Die Kontakte aller Anwesenden werden aufgenommen, damit man sie über weitere Aktivitäten auf dem Laufenden halten kann. An diesem Abend wird ein weiterer Termin vereinbart, an dem mögliche Projektinhalte erarbeitet werden.

c) Erarbeitung der Projektinhalte und Bildung eines OK’s: Im Plenum werden mögliche Projektideen gesammelt und diskutiert, es wird eine realistische Auswahl getroffen. In Gruppen wird in einem Rassismusworkshop das theoretische Grundwissen vermittelt, dann werden die Teilprojekte weiterentwickelt. Jedes Teilprojekt delegiert eine Vertretung in das Projekt-OK. Umgekehrt werden alle Teilprojekte durch eine Erwachsene Person (JugendarbeiterIn oder Ehrenamtliche) begleitet und unterstützt, wenn nötig durch eine spezifische Fachperson (Theaterpädagogin, Fotografin…).

Fast immer schlafen einzelne Teilprojekte ein, weil das Engagement der TeilnehmerInnen nicht andauert, die Ziele zu hoch gesteckt waren, das Geld dazu fehlt. Das ist natürlich. Ein Grund ist häufig, dass die Projektentwicklung für die Jugendlichen sehr lange dauert: Von der Entwicklung der Ideen, zur Konzeptarbeit und Finanzierung, bis hin zur Cd-Taufe oder Theatervorführung können gut 1 ½ Jahre verstreichen, in denen man aber auch konstant dran bleiben muss. Mehrheitlich habe ich aber festgestellt, dass die Jugendlichen extrem motiviert sind und teilweise unglaublich viel leisten. Alle Projekte wurden zu grossen Teilen von jungen Erwachsenen zwischen 18 und 22 Jahren getragen, die ein Jahr und mehr Unmengen von ehrenamtlichen Stunden in die Verwirklichung ihrer Ideen investiert haben.

2. Vernetzung
Vernetzung ist ein Arbeitsprinzip und eine der grössten Ressourcen von INFOKLICK.CH . Wir machen nichts selber was es schon gibt. Deshalb ist es unser Anspruch über eine breite Kenntnis zu verfügen, was es alles gibt, diese Kontakte zu pflegen und auch zu nutzen. Dieses Netzwerk haben wir auch im Rahmen von
Klartext themenspezifisch ausgebaut. So können wir andere bestehende Projekte, Fachpersonen, WorkshopleiterInnen etc. in lokale Projekte miteinbeziehen. Damit entsteht vor Ort ein vielfältiges Programm, ohne dass man alles selber machen muss.
Ebenso wichtig bei den lokalen Projekten ist natürlich die Vernetzung vor Ort: Je besser und breiter ein Projekt in der Gemeinde und der Region abgestützt ist, je grösser ist die Unterstützung und auch die Wirkung.
Deshalb sind bei Beginn der Planung immer wichtige Fragen:

  • Wer alles muss im OK vertreteten sein?
  • Wer/welche Organisationen und Gremien müssen miteinbezogen werden?
  • Wer/welche Organisationen, Vereine etc. könnten einen inhaltlichen Beitrag leisten.
    Häufig stösst man beispielsweise beim Einbezug der Schulen auf Abwehr, in der Regel aus zeitlichen Gründen. Entscheidend ist hier folgende Erkenntnis die es den Betreffenden auch zu vermitteln gilt: Sich grundsätzlich mit dem Projekt solidarisieren und vernetzen ist wirksamer und wichtiger, als dass man mit grossem Aufwand mitmacht. Je mehr Personen und Institutionen sich ideell hinter das Projekt stellen, je grösser ist die Wirkung in der Öffentlichkeit.

3. Projektinhalt
Für die Durchführung von Projekten gibt es 2 mögliche Ausgangslagen:
a) Man plant ein Projekt (Film, Theater, Festival…), das Thema ist noch offen.
b) Problem: Es gibt aktuellen Handlungsbedarf

Im ersten Fall geht man in der Regel so vor, dass man auf der Suche nach geeigneten Geldgebern mit thematischen Vorgaben konfrontiert wird und sich dann entsprechend ausrichtet. Wenn diese thematische Ausrichtung nur pro Forma passiert, entsteht kaum ein inhaltlich gutes Projekt.
Im zweiten Fall ist es schon gegeben, dass man vor Ort thematisch etwas bewirken möchte.
Die thematische Auseinandersetzung bevor man in Aktion tritt ist so oder so in beiden Fällen extrem wichtig. Die Gefahr ist immer gross dass man zu schnell mit der Umsetzung einer Idee beginnt, sich dann mit zahlreichen technischen Problemen (des Films, Theaters, Festivals) abmüht und dabei den inhaltlichen Kern aus den Augen verliert. Damit dies nicht geschieht hat sich in den Klartextprojekten, zusammen mit den Jugendlichen, folgendes Vorgehen bewährt:

Rassismusworkshop:
Bevor man über konkrete Aktivitäten spricht setzen sich die Jugendlichen und die Erwachsenen mit Rassismus auseinander:

  • Definition Rassismus: Erarbeiten eines theoretischen Grundwissens
  • Sensibilisierung/Auseinandersetzung mit Rassismus: Erkennen der zwischenmenschlichen Mechanismen und Muster die zu Vorurteilen, Diskriminierung, Ausgrenzung, sich fremd fühlen etc. führen.
  • Persönlicher Bezug herstellen: Ein Projekt soll sich nicht mit bösen Tätern und armen Opfern aus aller Welt befassen, sondern die Beteiligten und die Region direkt ansprechen. Wir alle haben schon rassistsische, diskriminierende, ausgrenzende Situationen erlebt, als Täter, Opfer oder Zeuge. Dieser Hintergrund ist die Basis für die thematische Arbeit.

Bewährt haben sich Workshops von 2-3 Stunden mit nicht mehr als 15 TeilnehmerInnen.

Erarbeitung der Teilprojekte:
Mit dem Workshop ist die Basis gegeben um mit den Jugendlichen die Projektinhalte zu entwickeln.
Ganz wichtig ist hier immer ein Punkt:
Die lokale Situation/Problematik soll im Zentrum stehen und auch direkt thematisiert und bearbeitet werden. Sonst bleibt die Wirkung des Projekts auf die aktiv Beteiligten beschränkt.